So stärken wir das WIR in unserer Klinik!

Der Campus Letter als PDF-Datei

Mit Jokerdiensten und der Führungs-kräfteentwicklung vom Coachingbüro
Die Main-Kinzig-Kliniken entwickeln ihre Führungs-kräfte seit Februar 2017 mit unserer Weiterbildung „Führungskraft (w/m) Wertemanagement“! Grund genug, hier einmal nachzufragen, welche Erfahrungen sie gemacht haben und wie dort das WIR in den Kliniken gestärkt wird:

Das MKK-Ausfallmanagement – konzeptionell und
professionell mit den JOKERDIENSTEN

Sylke Brill, Mitarbeiterin in der Pflegedienstleitung und von uns ausgebildeter Pflege- und Sozialcoach (2015/16), berichtet:
„Seit 2014 haben wir uns konzeptionell und professionell dem Ausfallmanagement gewidmet. Schwerpunkt war dabei der Akut-Ausfall. Sobald jemand einspringen musste, hieß es auf den Fluren: ‚Oje, wo muss ich denn jetzt hin?‘ – ‚Was erwarten die da von mir?‘ „

Und so kam bald von dort der Vorschlag:
„Können wir nicht Partnerstationen machen? Das hilft bestimmt!“
„Wir haben dann aufgrund der vielen Ausfälle konkrete Stationen zusammengeführt und diese mit einem Joker versehen – seitdem gibt es Partnerstationen (z.B. die internistische und chirurgische). Bei denen wird auf einem Jahresplan festgelegt, wer wann welchen Joker setzt.“

So wird transparent:
„An diesem Spätdienst kommt dann bei Bedarf eine Fachkraft zusätzlich! Brauche ich sie nicht, weil genügend Abdeckung gegeben ist, kommt sie nicht. So gibt es gegenseitig ca. 10 Jokerdienste pro Monat. Die Stationen 1 und 2 teilen sich von Montag bis Freitag einen Jokerdienst. So wissen die Pflegekräfte des Teams jeweils: ‚An diesem Tag kann es sein, dass ich zur Partnerstation rüber muss.‘ Einfacher wird dadurch, dass trotz Krankheit jemand zum Dienst kommt, und der ist dann auch darauf vorbereitet, dass er zur anderen Station wechselt.“

Wie reagieren die Pflegekräfte?
Kurz gesagt: Unterschiedlich!
„Für einige gehören Unsicherheit und Unlust dazu, aber das kann ja vorkommen. Einige andere, machen es sehr gern oder sind zumindest neutral eingestellt. Die Steuerung selbst übernehmen die Leitungen. So hat das Topmanagement gute Entlastung. Das Telefon klingelt deutlich weniger!“ Was ist Eure Empfehlung für andere Kliniken? „Es muss gut kommuniziert werden, welcher Sinn und Zweck dahinter steckt. ‚Was wollen wir damit erreichen – und wie läuft es konkret ab?‘ So bauen wir die Faktoren Unsicherheit und Unlust in unseren Teams systematisch ab!“

Super ist unser Ergebnis für die Pflegekräfte:
„Die Anrufe in Urlaub oder frei sind viel weniger geworden. So steigt die Zufriedenheit. Die Unsicherheit beim Einspringen wird aufgefangen. Die Pflegekräfte können sich besser vorbereiten und sich darauf einstellen. Unsere Teilzeitkräfte hatten horrende Überstunden, auch das ist weniger geworden.“ Doch das Konzept kennt natürlich auch „dunkle Momente“ …

Sylke weiß aus eigener Erfahrung: „Wenn die Joker weg oder verplant sind, ist es natürlich bitter und heftig. Ich muss dann wieder anrufen und wieder fragen. Für die beteiligten Pflegekräfte ist es dann doppelt schwer nachzuvollziehen. Allerdings kommt dies natürlich viel, viel seltener vor als vor Einführung der Jokerdienste.“

Unser größter Erfolg:
Es gibt eine Statistik, die festhält, wie viele Krankheitstage eine Station hatte und wie oft die Joker dahingegangen sind. So haben wir eine super Transparenz – und eine gerechte Verteilung!

Ein Beispiel: auf einer Station waren 40 Krankheitstage, 30 Tage lang konnte sie den eigenen Joker behalten und 18 Tage hat sie einen Joker bekommen. Sie wurden also öfter unterstützt als sie Unterstützung gegeben haben. Mit diesen Fakten erreichen wir einen Abgleich von dem gefühlten und dem tatsächlichen Belastungsgrad. Unsere Pflegekräfte sind dann beeindruckt und korrigieren ihre Einstellung und ihre Gefühle, wenn sie merken, dass sie so schlecht gar nicht dran waren. Die geplanten „Frei“ werden von den Leitungen gesteuert. Damit entlasten sie das Topmanagement. Hier gilt dann: Fakten helfen gegenüber dem Missmut!

Gibt es auch Kritik an dem Konzept?
„Nur, wer es nicht ganz versteht, wie es abläuft und was wir tun, der bleibt skeptisch! Ich lerne daraus: Damit das System gut funktioniert ist es wichtig, vom Team offen aufgenommen zu werden und viele Informationen vorab zu erhalten. So bleibe ich am Ball, spreche viel und finde immer neue Fans für die Joker-Dienste!“

Viele Fans gewonnen hat auch die Weiterbildung „Führungskraft Wertemanagement (w/m)“ für Teams in der Pflege (2017/18), die mit dem www.gesund-und-stark.info Konzept vom Coachingbüro mit den Stationsleitungen und Stellvertretungen durchgeführt wurde.